KANNIBALISMUS ODER…?

Abendwind-Web-2b-Credit-Bernhard-Mrak

Verehrtes Publikum – Sie haben nun den ersten Teil von Nestroys und unserem „Häuptling Abendwind“ gesehen, haben gesehen was es mit dem Kannibalismus auf sich hat. Dieses gegenseitige Zusammen-Fressen bei gleichzeitig großer Freundlichkeit und ausgesuchter Nettigkeit, weil wir uns ja sprichwörtlich zum Fressen gerne haben. Aber wir müssen ganz freundlich sein, dass uns die anderen nicht davonlaufen. Denn sie wissen, dass wir sind wie sie, die wir gelernt haben wie wir uns am besten durchsetzen und jeden anderen fertig machen, und alles was uns in die Quere kommt niedertreten, gierig zusammenfressen. Mit einem Lächeln, ohne Moral, ohne Reue, so wie wir es von Geburt an lernen: in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, im Leben. Alles berechnend, immer kalkulierend: Was schaut raus für mich? Was kann ich vom anderen haben?

Darum dreht sich alles: um das Haben. Jeder eine lebendige Registrierkasse, alles vernetzt, alles kontrolliert. Der Tanz ums goldene Kalb. Und so wird alles berechnet bis vom Leben nichts mehr übrig ist, da ja die Zahlenwelt eine Endliche ist, gegen das Unendliche, gegen das Sein, gegen das Sein für und miteinander, für und mit der Natur. Aber wir schlitzen unserer Mutter Erde den Bauch auf um die Bodenschätze auszuweiden. Wir reißen dieser, unserer Mutter die Haare, sprich die Bäume aus, ziehen ihr die Haut ab und streuen jede Menge Gift in ihre offenen Wunden. Und stellen fest dass wir das ganze Geld das wir dabei anhäufen nicht essen können wenn die Nahrungsmittel vergiftet sind und unsere Mutter Erde qualvoll röchelnd ihr Leben aushaucht.

Liebes Publikum das war der erste Teil unsere abendlichen Reise durch Kannibalien, durch das Land in dem wir leben. Nun lassen wir das hinter uns und fragen uns WOZU. Wozu dieses gegenseitige, gnadenlose Krieg führen, dieses Zusammenfressen, Zerstören. Diese immerwährenden Ängste des Jede/r gegen Jede/n. Wo wir doch eigentlich alle am liebsten ohne Angst sein, in Freude leben wollen. Nicht jagen und gejagt werden wollen. Raus wollen aus dem Mausrad, das immer schneller gedreht wird. In dem wir immer schneller laufen müssen bis wir völlig erschöpft zusammenbrechen. Im Grunde unseres Herzens voll Angst und Selbstzweifel, ohne Licht und ohne Freude.

Muss das wirklich so sein. Können wir wirklich nicht in Freude und in Schönheit leben? Doch es ist möglich. Wir brauchen nur zu wollen. Es ist eine Entscheidung. Die Entscheidung jeder, jedes einzelnen. Haben oder Sein.

So schön kann das Leben sein. Der schönste Moment im Leben ist der, in dem man aufhört die Freude zu suchen, sondern fühlt und erkennt, dass sie ohnehin in einem selbst ist. Still wird, ganz still – das Licht in seinem Herzen schaut und erkennt, dass dieses Licht und wir Eins ist. Dieses Licht ist nicht abstrakt, phantasiert. Nein, es ist wirklich, Jede lebende Zelle in uns leuchtet. Und wir haben Myriaden lebender Zellen in uns. Also strahlen, leuchten wir. Wir brauchen nur die Augen zu schließen, still zu sein und dieses Licht ist da. Sich einlassen, loslassen. Loslassen von unserem verstecken, maskieren. Loslassen von unseren Ängsten. Und tief in uns, begraben unter dem ganzen Schutt ist es leicht, licht. Licht und Freude die wir sind und immer auch waren. Wir brauchen es nur zu wollen. Jetzt Licht sein, weil ja doch immer auch nur Jetzt ist, unendliches Jetzt. Jetzt sein, sich ganz spüren, annehmen. Wir sind nicht jemand anderes. Also lieben wir uns doch einmal so wie wir sind. In sich und aus sich heraus, ohne Absicht, ohne Zweck. Lebende Schmetterlinge, schwerelos, außerhalb von Raum und Zeitlos schwebend.

Es wie ein Schalter der in jedem von uns ist. Umschalten vom Halten auf das Loslassen, vom Haben auf das Sein. Jetzt – unendliches Jetzt. Sich aus dem Sekundentakt der Zeit ausklinken. Die Uhr, die getaktete Zeit, dieses nebelverhangene, eisige Felsengebirge. Aufgewacht, denn da ist auch immer ein dazwischen, ein Spalt durch den wir gehen können. Akzeptieren wir diesen Spalt und gehen hindurch, aus der Zeit ins Jetzt, aus der Dunkelheit ins Licht. Plötzlich befinden wir uns in einem sonnendurchfluteten Paradies, voll Blumen, Früchten und Düften.

Ja aber… das ist doch… sehr….Ja das ist doch…sehr leicht…Oder….!

Und wer das möchte, kann jetzt noch sitzenbleiben, still werden, die Augen schließen und auf diese Reise gehen. Wenn Sie sich darauf einlassen werden sie, wann immer sie die Augen öffnen, spüren wie hell es in diesem Theater ist…. Gute Reise!

Hubsi Kramar, 05. 05. 2016