FREUDS NEUROSEN

!!! Uraufführung !!!
Ein Ein-Mann-Stück von Helmut KORHERR
Premiere: 22. November 19.30 Uhr

Vorstellung: 23., 24., 25., 26., 29., 30. November und 1. + 2. Dezember 19.30 Uhr

Karten (18€/ 15€ erm.): 0650 / 323 33 77 oder onLine reservieren

Als Sigmund Freud: Christian SPATZEK

Musik: Roman GRINBERG
Regie: Brigitte SWOBODA

Bühne: Team Braunsteiner
Kostüme: Barbara Langbein
Technik: Ali Holy

Eine Produktion des Kulturvereins SABA

Zum Titel:
Der „Vater der Psychoanalyse“ war selbst ein „Psycherl“!
Sigmund Freud wurde von Ängsten und Phobien geplagt und geschüttelt.
Durch Selbstanalyse versuchte er, seine Neurosen in den Griff zu bekommen.

Zum Text:
Behandelt werden die Zeitpunkte, wo Sigmund Freud längere Ferienaufenthalte im Ausseerland hatte. Es sind dies die Jahre 1896 bis 1898, 1905 und 1930.
Diese Jahre spielten eine große Rolle in Freuds Schaffen – in Aussee wollte Freud (unter anderem) die Ursachen seiner Neurosen ergründen.

Zur Musik:
Roman Grinberg wird eine eigene Theatermusik für das Stück zusammenstellen und live am Klavier spielen – zum Teil mit “klezmerischer” Atmosphäre.

Textzitate:

1896
Freud: „Meine unbändige Reiselust ist mir ja selbst schleierhaft, wo ich doch eine derartige Angst vor einem Zugsunglück habe, und das Umsteigen ist mir ein Gräuel – da fürchte ich mich jedes Mal davor, den Anschlusszug zu verpassen. Dazu noch meine überreizten Symptome in engen Zugabteilen. Also woher meine Reiselust stammt, ist mir wirklich schleierhaft.“

1897
Freud: „… Ich bin unlängst draufgekommen, warum ich so oft vom Fernweh überfallen werde: Das rührt daher, weil ich als armer Gymnasiast immer wieder daran zweifelte, ob ich je in der Lage sein würde, viel und weit zu reisen …Und warum ich auf der Fahrt fürchte, einen Zug zu verpassen, das stammt davon, weil ich seinerzeit bei meiner Reise nach Manchester in Köln beinahe einen Anschlusszug nicht erreicht hätte. Nun habe ich unlängst auch erkannt, warum mir dieses Missgeschick damals fast passiert wäre – nämlich aus einer Rückerinnerung meines Blutes, aus Pietät für den tragischen Schicksalsschlag meiner Vorfahren, die im Mittelalter durch einen Pogrom aus Köln vertrieben worden waren – das hat mich damals am Bahnhof zurückgehalten.“

1898
Freud: „Die alte Angst, mein Ziel nicht zu erreichen, plagt mich derzeit ständig – das bezieht sich sowohl auf meine geplante Reise als auch auf meine berufliche Laufbahn.“

1905 befindet sich Freud zum letzten Mal in Altaussee. Er ist bereits arriviert, seine finanzielle Lage ist beruhigend. Er kann es sich leisten, mit drei vollen Möbelwagen in sein Feriendomizil zu reisen.

Freud: „Einige meiner kleinen Plastiken sind auch mitgekommen, fachmännisch verpackt, nichts ist zerbrochen. Meine Sammlung von antiken Gegenständen hat sich in der Berggasse vom Schreibtisch aus über das ganze Behandlungszimmer bis in die Bibliothek hin ausgebreitet ….
….. Meine Rom-Sehnsucht war ja tief neurotisch. Das rührte aus meiner Gymnasialzeit her – damals war Hannibal mein Liebling, weil er die Römer gehasst hat – so wie ich diejenigen hasste, die die Juden nicht mochten. Rom und Hannibal symbolisierten für mich die Allmacht der römisch-katholischen Kirche auf der einen Seite und die Zähigkeit der Juden auf der anderen. Und so wie Hannibal seinem Vater schwören musste, Rache an den Römern zu nehmen, so wollte ich mich an den Antisemiten rächen. Auslöser dafür war eine Geschichte, die mir mein Vater erzählte, als ich ins Gymnasium eintrat.
Die leidige Geschichte spielte sich noch in Freiberg ab. An einem Sabbat ist mein Vater dort spazieren gegangen – mit einer neuen Pelzmütze. Da kam ihm ein Christ entgegen und schlug ihm die Mütze vom Kopf in den Straßenkot. Dazu rief er: „Jud, herunter vom Trottoir!“
Auf meine Frage, was er denn dann getan hätte, antwortete mein Vater: „Nu, ich hab die Mütze aufgehoben und geschaut, dass ich weiterkomm!“
Damals hatte ich beschlossen, mich niemals derartig demütigen zu lassen. Ich wollte es den Judenhassern zeigen …… Vom Tod des Bruders ist mir aber der Keim zu Selbstvorwürfen geblieben – und im Zusammenhang mit dem jähen Verlust der mütterlichen Brust, die Angst vor dem Verhungern, vor dem Erleiden bitterer Not. Sämtlich Reaktionen der infantilen Gier. Davon kommt mein hoher Zigarrenverbrauch – man kann das Rauchen doch auch in altmodischer Manier als „Tabaktrinken“ bezeichnen. Der Genuss von Tabak wurde mir also zum Ersatz für die Muttermilch.“

1930 logiert Freud mit Teilen seiner Familie am Grundlsee in der Rebenburg.
Freud hat zwar wieder nicht den ersehnten Nobelpreis erhalten, dafür aber den Goethepreis der Stadt Frankfurt – was ihn fast genauso erfreut.

Freud: „Die Deutschnationalen haben sich wahnsinnig darüber aufgeregt, dass ausgerechnet ein Jude diese Auszeichnung bekommt …. Der Antisemitismus begleitet mich ja schon mein ganzes Leben hindurch – doch so bedrohlich, wie er sich jetzt entwickelt, war er noch nie. Aber bekanntlich heißt es ja: Viel Feind – viel Ehr! … für eine Aussöhnung mit der Zeitgenossenschaft wird es bald zu spät sein.“

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