BUNBURY


 

2010 11 16 bunbury, 3raum (238)

„The importance of being ernest“ – eine triviale Komödie für ernsthafte Leute von Oscar Wilde

Die zwei englischen Gentlemen Algernon und Jack (im Englischen die Slangform von John) sind Lebemänner und geben sich in ihrer Freizeit dem Vergnügen hin. Um diese Leidenschaft mit ihrem gesellschaftlichen Rang vereinen zu können, haben beide eine Ausrede erfunden: Algernon einen kranken Freund namens Bunbury, um ab und zu Ausflüge aufs Land begründen zu können, und Jack seinen Bruder Ernest (in der deutschen Übersetzung Ernst), um hin und wieder in die Stadt zu kommen…

The Importance of Being Earnest (deutscher Titel: Ernst sein ist alles oder auch Bunbury) ist eine Komödie in drei Akten von Oscar Wilde, uraufgeführt am 14. Februar 1895 im Londoner St.-James-Theater.

Die Komödie gehört zu den erfolgreichen Salonstücken Wildes, in denen er geistreich und ironisierend die Herren und Damen der Oberschicht attackierte, ohne jedoch ihr parasitäres Leben grundsätzlich in Frage zu stellen. Wilde selbst betrachtete Bunbury als seine beste Komödie, brilliert sie doch – wie ein Kritiker schrieb – „durch Sprachwitz und exzellent kalkulierte Situationskomik“.


Mit: Markus Kofler, Lucy McEvil, Stefano Bernardin, Lilly Prohaska, Susanna Knechtl, Julia Karnel, Christian Rajchl, Marko Kölbl, Sascha Tscheik, Regie und Bühne: Hubsi Kramar, Kostüme: Heida Url, Peter Holub, Igor Sapic, Video: Peter Hirsch, Technik: Ali Holy, Produktionsleitung: Alexandra Reisinger, eine Produktion von Theater SHOWinisten


 

Oscar Wilde:

Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin als zweites Kind des Arztes Sir William Wilde und Lady Francesca Wilde geboren. Seine Mutter schrieb als junge Frau unter dem Pseudonym Speranza antibritische Gedichte und führte später als stets unangepaßtes Mitglied der höheren Gesellschaft einen literarischen Salon. Nach Studien in Dublin und Oxford lebte er ab 1879 in London, wo er durch seine extravagante Lebensweise als Prototyp des Dandies bekannt wurde. Nach seinen ersten literarischen Erfolgen unternahm er Vortragsreisen in Amerika und England. 1895 wurde Oscar Wilde wegen eines homoerotischen Verhältnisses zu Lord Alfred Douglas nach einem spektakulären Prozeß zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, ein Schicksal, das ihn als Menschen brach. Am 30. November 1900 starb er in Paris, wo er die letzten Lebensjahre unter dem Pseudonym Sebastian Melmoth von Freunden unterstützt und dem Alkohol verfallen verbracht hatte.

Werke: Ravenna (Gedicht, 1878), Die Herzogin von Padua (Drama, 1883), Das Gespenst von Canterville (Erzählung, 1887), Der glückliche Prinz und andere Erzählungen (1888), Lord Arthur Saviles Verbrechen (1891), Der Sozialismus und die Seele des Menschen (Essay, 1891), Das Bildnis des Dorian Gray (Roman, 1891), Der Fächer der Lady Windermere (Komödie, 1892), Salome (Tragödie, 1893 (auf Französisch verfaßt)), Eine Frau ohne Bedeutung (Komödie, 1894), Der ideale Gatte (Komödie, 1895), Ballade vom Zuchthaus zu Reading (1898) u.v.a.


 

APA:

von Wolfgang Huber-Lang – 18.11.2010

Off-Theater-Spaß mit Ernst: „Bunbury“ im Wiener 3raum-anatomietheater

Wien (APA) – Fast ist man ein wenig enttäuscht. Der große Provokateur Hubsi Kramar inszeniert Oscar Wilde – und das Stück ist wiederzuerkennen, sein Mechanismus intakt, sein Wortwitz aufpoliert? Der Theater-Maniac, der einem guten Effekt noch nie freiwillig aus dem Weg gegangen ist, hat doch tatsächlich „The Importance of Being Earnest“ ernst genommen – und hat rund um seinen Star Lucy McEvil in seinem 3raum-anatomietheater einen Off-Theater-Spaß inszeniert, der beinahe konventionell wirkt. Was ihm vom Premierenpublikum gestern, Mittwoch, Abend niemand übelnahm. Kramar hat für die „Bunbury“-Komödie um die beiden Freunde Algernon und John, die ein Doppelleben führen, um den spießigen Konventionen der Gesellschaft ein wenig zu entkommen, als Bühnenbildner mit viel Liebe zum Detail zunächst einen herrlich dekadenten, gemütlichen Wohn-Salon bereitgestellt. Nach der Pause übersiedelt man in den Nachbarraum, wo Kunstrasen, eine hübsche Gartengarnitur und abermals ein beflissener, eigenwilliger Butler auf Besucher und Ensemble warten. Markus Kofler und Stefano Bernardin sind das einander beständig neckende Freundespaar John und Algie, das auf Angebetene stößt, die sich nur in einen Mann namens Ernst verlieben können. Weswegen beide flugs ihre Neu-Taufe organisieren. Verglichen mit dem Wahnsinn, in den Michael Maertens und Roland Koch 2005 ihre Figuren im Akademietheater trieben, entfaltet sich hier ein fröhliches, doch nur sanft überzeichnetes Treiben, in dem man sich auf Oscar Wildes brillante Dialoge konzentriert. Glänzender Mittelpunkt ist Lucy McEvil als Lady Bracknell, die in strengen Verhören den finanziellen und gesellschaftlichen Background diverser Heiratskandidaten ausforscht und sich auch sonst als hoch aufragender Turm in der Schlacht gegen den schlechten Geschmack und Aufstiegsfantasien der Lower Class erweist. Susanne Knechtl und Julia Karnel müssen sich als Gwendolen und Cecily nicht nur von ihr tyrannisieren lassen, ehe sie ihre ernsten Absichten verwirklichen können. Lilly Prohaska (Miss Prism), Christian Rajcl (Pastor Chasuble) sowie Marko Kölbl und Klaus Windbichler als Butler ergänzen das Ensemble – eine der unterhaltsamsten Off-Produktionen zur Zeit. Ganz im Ernst.

 

Wiener Zeitung:

Von Helene Kurz – 19. November 2010

Merry Old Englands völlig entstaubte Gentlemen

Der abgenutzte Perserteppich, die verschnörkelte Tapete und das Blümchensofa-Ensemble streiten im Salon um die Vorherrschaft. Wir sind mitten in der muffig-verlogenen Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters. Genauer gesagt in einer Komödie von Oscar Wilde: „Bunbury“ (in deutschsprachigen Gefilden auch bekannt unter „Ernst sein ist alles“). Ein Kassenschlager war die spitzfindige Persiflage auf die englische Oberschicht des 19. Jahrhunderts schon immer. Zwei englische Dandys erfinden jeweils ein Alter-Ego, um aus ihrem Alltag ausbrechen zu können. Der eine den imaginären Bruder Ernst, um nach London zu kommen, der andere den kranken Freund Bunbury, um aufs Land zu entfliehen. Womit ein amüsantes Verwirrspiel beginnt. Hubsi Kramar hat aus dem Klassiker eine ganz heutige Inszenierung hervorgekitzelt, die mit einigen überraschenden Anspielungen aufwartet. Die Charaktere weisen nach wie vor die Eigenheiten und Spleens des Fin-de-Siècle auf, wurden aber einer Frischekur unterzogen. Die jovialen Gentlemen (Markus Kofler und Stefano Bernardin) geben sich ganz leger und nehmen zum Schluss sogar das böse „F“-Wort in den Mund. Ein besonderes Ereignis: Lady Bracknell (herrlich gespielt von der gnadenlos arroganten Kunstfigur Lucy McEvil). Diese liebt Gurkensandwiches, trägt stets ein Kunstblumenarrangement hinterm Ohr und traktiert ihre Mitmenschen, wo sie nur kann. Dabei wahrt sie derart viel Contenance, dass daneben sogar die Queen warmherzig wirkt.

 

Kurier:

Von Michaela Mottinger – 20.11.2010

„Ernst“-haftes Theater kann so viel Spaß machen

Hubsi Kramar hat den Hattrick geschafft: Nach seinen fabelhaften Oscar-Wilde-lnszenierungen von „Lady Windermeres Fächer“ und „Ein idealer Gatte“ zeigt der Regisseur und Hausherr im 3raumanatomietheaier nun dessen Bunbury-The Importance of Being Ernest“. In bewährter Weise stellt Kramar ein Panoptikum skurriler Gestalten auf die Bühnen gespielt wird in Saal eins, Salon mit Blümchensofa, und Saal zwei, Landgut mit Blümchenwiese. Angeführt wird die illustre Truppe von Markus Kofier als um Haltung bemühten lack Worthing und von Stefano Bernardin als latent bisexuell durch die Szene tänzelnden Dandy Algernon. Die doppellebigen Gentlemen teilen ein Problem: Ihre Angebeteten wollen ihr Herz nur an einen verschenken, der den Vornamen Ernst trägt. Upperclass-Turbulenzen ä la Wilde sind die Folge. Getreu dem versicherten Motto: Ihre Sorgen möchten wir haben. Kramar schafft es, Wildes scharfzüngig entlarvende Dialoge in wahre Wortgefechte zu verwandeln. Die Waffe der Wahl ist der Witz. Schwere Geschütze fährt vor allem Lucy McEvil auf. Die Grande Dame der Off- Szene ist eine brillant blasierte Lady Bracknell. So schön wie böse. Lilly Prohaska als verhuscht-geile Gouvernante Miss Prism und Christian Rajchl als ihr Love-lnterest Pastor Chasuble sind köstlich komisch. Zur großen Verführungsnummer wird Still Loving You“ von den Scorpions gespielt; Heiratsanträge erfolgen im Yoga-Kopfstand. Zum Niederknien.